Verizon: kostenschneiderei statt wachstum – ein teurer coup?

Dan Schulmans Versprechen von Neuanfang bei Verizon sind offenbar teuer erkauft. Das Unternehmen meldete zwar einen soliden zweiten Quartalsbericht, doch hinter den vermeintlichen Erfolgen verbirgt sich eine eiskalte Strategie: Kostenstämme werden durchgeschnitten, und die Kunden zahlen den Preis.

Postpaid-zahlen steigen, aber der gewinn schrumpft

Die Umsatzzahlen im Bereich Mobility und Breitband kletterten um 2,8 Prozent. Das Netto-Hinzuregnen an Kunden mit teuren Abonnements (Postpaid) erreichte beachtliche 184.000 – ein Fünf-Jahres-Hoch. Insgesamt meldete Verizon rund 550.000 neue Mobilfunk- und Internetkunden, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Doch die gute Nachricht stoppt hier. Der Gesamtumsatz landete bei 34,3 Milliarden Dollar – ein Rückgang von 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein erheblicher Teil dieser Schwächung, nämlich 1,2 Milliarden Dollar (20 Prozent), ist auf einen deutlichen Einbruch im Equipment-Geschäft zurückzuführen. Kunden halten ihre Geräte länger fest, und Verizon hat die Förderprogramme für neue Smartphones drastisch reduziert.

Subventionen geschichte – ein teurer wurf?

Subventionen geschichte – ein teurer wurf?

Mit neuen Tarifmodellen wie 'Simplicity' und den converged 'One'-Angeboten sowie einem vermeintlich attraktiven Treueprogramm versucht Verizon, Kunden zu binden. Doch die Investitionen in diese Angebote werden durch die drastische Reduzierung der Geräte-Subventionen und den Abbau der eigenen Filialen finanziert. Ein Teufelskreis, der die Margen schmälert und die langfristige Nachhaltigkeit in Frage stellt.

Analysten warnen vor dem teufelskreis

Analysten warnen vor dem teufelskreis

TMT-Analyst Walter Piecyk sieht die aktuelle Strategie kritisch. Er weist auf sinkende Zahlen bei den Postpaid-Kontoeröffnungen, den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde (ARPU) und dem Umsatz im Bereich des mobilen Dienstleistungsbereich hin. Die Verbesserungen, so Piecyk, seien vor allem auf Kosteneinsparungen zurückzuführen. Die eigentlichen Umsatz-Metriken litten offenbar unter dem Druck.

T-Mobile hingegen behauptet sich in aktuellen Tests von Ookla und Opensignal. Verizon muss sich fragen, ob die angepriesenen Verbesserungen tatsächlich greifen, oder ob es sich lediglich um eine kurzfristige Maßnahme zur Stabilisierung handelt. Die Streichung von Geräte-Rabatten könnte Kunden schnell zu Wettbewerbern verleiten, die attraktivere Angebote machen – wie beispielsweise die verbesserten Aktionen von T-Mobile auf die neuen Samsung-Foldables.

Fazit: ein teurer coup mit fragwürdiger perspektive

Verizon scheint sich auf einen Weg der Kostensenkung zu begeben, der zwar kurzfristig zu besseren Zahlen führt, aber langfristig das Wachstum gefährdet. Die Frage ist, ob diese Strategie tatsächlich nachhaltig ist und ob Verizon seine Kunden nicht durch teure Angebote und eingeschränkte Optionen verprellt. Die Netto-Gewinnmarge brach im zweiten Quartal um 22,9 Prozent ein – ein deutliches Warnsignal.