Wie künstliche intelligenz den softwaremarkt revolutioniert – wer überlebt?
- Der sturz der software-aktien: warum jetzt?
- Die künstliche intelligenz als game-changer – oder unterschätzte bedrohung?
- Moltbot & co.: warum diese tools die zukunft vorwegnahmen
- Wie unternehmen software heute neu denken
- Welche software-bereiche sind am stärksten gefährdet?
- Wer bleibt unangetastet? die künftigen unverzichtbaren
Vor fast einem Jahr warnte Michelle Miller, Co-Autorin eines wegweisenden Studien, vor der drohenden Bedrohung durch künstliche Intelligenz (KI) für die Softwarebranche. Heute zeigt sich: Ihre Prognose trifft ein – die Aktien von Software- und SaaS-Unternehmen stürzen ab. Doch wo geht die Reise hin? Ein Gespräch mit der Software-Expertin und Co-Direktorin bei AlixPartners, die uns Einblicke gibt, wie sich die Branche neu erfindet – oder scheitert.
Der sturz der software-aktien: warum jetzt?
Die Aktienkurse von Software- und SaaS-Unternehmen brechen seit Wochen ein – kein Zufall, sondern Folge mehrerer systematischer Krisenfaktoren. Miller identifiziert vier Haupttreiber:
- Angst vor KI-Disruption: Die Erwartung, dass KI generative Tools wie Cowork von Anthropic traditionelle Software ersetzen könnte, belastet die Märkte.
- Veraltete Preismodelle: Viele Anbieter setzen weiterhin auf Wachstumsprognosen – doch die KI beschleunigt die Effizienz und zwingt zu neuen Geschäftsmodellen.
- Makroökonomische Unsicherheit: Inflation, Zinswenden und Sparmaßnahmen der Unternehmen dämpfen die Investitionsbereitschaft.
- Wertungsblasen durch KI-Hype: Früher hoch bewertete SaaS-Startups sehen sich plötzlich mit sinkenden Multiplikatoren konfrontiert.

Die künstliche intelligenz als game-changer – oder unterschätzte bedrohung?
Miller betont: „Die KI wird Software nicht ersetzen – aber sie zwingt sie, sich neu zu erfinden.“ Die Branche steht vor einem Paradigmenwechsel, der alle Bereiche betrifft:
| Bereich | Herausforderung durch KI | Gewinner-Strategie |
|---|---|---|
| Entwicklung | Automatisierte Code-Generierung (z. B. GitHub Copilot) | Fokus auf vertrauenswürdige KI-Infrastruktur und Sicherheitsstandards |
| Gouvernance | Regulatorische Lücken bei KI-Einsatz | Proaktive Compliance-Strategien und Datenschutz |
| Marketing & Vertrieb | KI-gestützte Verkaufstools untergraben Margen | Differenzierung durch Kundenwert statt Volumen |

Moltbot & co.: warum diese tools die zukunft vorwegnahmen
Tools wie Moltbot oder OpenClaw (heute unter dem Namen OpenClaw) zeigen, wie schnell sich KI-Technologien entwickeln – und welche ethischen sowie sicherheitstechnischen Fragen damit einhergehen. Diese „Experimente“ sind mehr als nur Kuriositäten:
- Agenten-basierte Systeme ermöglichen autonome Arbeitsabläufe – eine Gefahr für klassische Software-Lösungen.
- Die „Infraestructura de confianza“ (Vertrauens-Infrastruktur) bleibt oft ein Nachholbedarf – ein Risiko für Unternehmen.
- Kode-Öffnung und „Shadow AI“ (versteckte KI-Nutzung) werfen Fragen nach Transparenz und Kontrolle auf.
Wie unternehmen software heute neu denken
Laut Miller nutzen bereits über 30 % der Tech-Firmen KI in ihren Workflows – Tendenz steigend. Doch die meisten Proof-of-Concept-Projekte scheitern (geschätzt 75 % der Implementierungen). Warum?
- Fehlende Skalierbarkeit der Lösungen.
- Mangelnde Integration in bestehende Systeme.
- Unterschätzte Kosten für Governance und Sicherheit.
Die Gewinner von 2026 werden nicht nur Technologie anbieten, sondern ganze Arbeitsprozesse neu erfinden – von der Buchhaltung bis zum Kundenservice.
Welche software-bereiche sind am stärksten gefährdet?
Kein Bereich der Software- und SaaS-Branche ist vor der KI-Disruption sicher. Besonders betroffen:
- Mittlere Markt-Software: Hier droht eine existenzielle Krise durch Konsolidierung.
- Generische Produktivitätstools: Automatisierung durch KI macht viele klassische Lösungen überflüssig.
- Preisgestützte Nischenanbieter: Wer keine datenbasierten Alleinstellungsmerkmale hat, verliert.
Miller prognostiziert für 2026 eine Zunahme der Fusionen und Übernahmen um 30–40 % – getrieben durch den Druck auf mittlere Marktakteure.
Wer bleibt unangetastet? die künftigen unverzichtbaren
Nicht alle Software wird überflüssig. Die überlebensfähigen Anbieter sind:
- Plattformen mit proprietären Daten (z. B. HIPAA-konforme Patientendaten-Systeme).
- Vertikalspezialisierte Lösungen für regulierte Branchen (z. B. Finanzwesen, Gesundheitswesen).
- Anbieter, die statische Daten in „kontextuelle Lösungen“ verwandeln – also KI als Ergänzung nutzen.
Fazit: Die Branche steht vor einem historischen Umbruch. Wer die Agilität und Mut hat, sich neu zu erfinden, wird die nächste Ära dominieren. Wer zögert, riskiert den Abstieg in die Nische – oder das Aus.