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Oscar-gala im schatten von krieg und ki-unsicherheit

Hollywood hält die Luft an. Während die 98. Oscar-Verleihung in der Nacht auf Montag ansteht, überschatten globale Krisen das glamouröse Spektakel. Zwischen den Spannungen im Iran und der politischen Zerrissenheit in den USA kämpft die Filmindustrie mit existenziellen Fragen – und einer neuen Bedrohung, die nicht aus Fleisch und Blut besteht: Künstliche Intelligenz.

Ein fest der kunst oder ein spiegelbild der welt?

Ein fest der kunst oder ein spiegelbild der welt?

Die diesjährige Gala, moderiert von Connan O'Brien und gestreamt via Hulu, verspricht mehr als nur glitzernde Kleider und bewegende Dankesreden. Angesichts der aktuellen Weltlage erscheint die vermeintliche Leichtigkeit des Films fast surreal. Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen im Dolby Theatre in Hollywood, angeordnet nach Warnungen des FBI bezüglich möglicher iranischer Drohungen an der Westküste, sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Realität in die Traumwelt Hollywoods eindringt.

Doch die äußeren Umstände sind nur ein Teil der Geschichte. Tiefgreifendere Probleme plagen die Filmindustrie seit Jahren. Der Arbeitsmarkt hat seinen Zenit längst überschritten. Die Daten von Bloomberg zeigen deutlich: 2016 erreichte die Beschäftigung in der kalifornischen Filmindustrie einen Höchststand, befeuert von der Streaming-Revolution. Die Pandemie riss dann jäh einen Strich durch die Rechnung, gefolgt von Hiebe durch Streiks und Entlassungswellen.

Hollywood kämpft ums Überleben. FilmLA verzeichnete im vergangenen Jahr einen Rückgang der Drehtage um 16 Prozent – ein Wert, der weit unter dem Rekordniveau von 2017 liegt. Die Kinokassen brachen mit 8,6 Milliarden Dollar im Jahr 2025 ein, ein deutlicher Rückgang gegenüber den fast 12 Milliarden Dollar von 2018. Das betrifft alle Bereiche der Branche, von Drehbuchautoren und Editoren bis hin zu Produktionsmitarbeitern, die einst Oscars entgegennahmen und nun um ihre berufliche Zukunft fürchten.

Die Fusionen der Medienkonzerne beschleunigen sich, während Unternehmen versuchen, sich durch Größe zu retten. Gleichzeitig werden sie von den großen Technologieunternehmen ausmanövriert, die jüngere Zielgruppen auf Plattformen wie YouTube und TikTok fesseln und gleichzeitig KI-Tools entwickeln, um Filme mit begrenztem Budget zu produzieren. Dieser Wettbewerb untergräbt die traditionelle Filmwirtschaft und wirft die Frage auf, wie Hollywood seine Relevanz bewahren kann. Die Oscar-Nominierungen scheinen in diesem Jahr ein Zeichen des Widerstands zu sein, ein Aufruf zur Wertschätzung der menschlichen Kreativität in einer zunehmend automatisierten Welt.

Die Gala wird zudem einen K-Pop-Auftritt beinhalten, die Rückkehr von Oscar-Preisträgern zur Vorstellung der Nominierten und wird den Fokus auf die „Menschlichkeit des Kinos“ legen – ein Appell inmitten der Debatte um die Rolle der KI. Ob Ben Affleck tatsächlich einen Oscar in diesem Jahr entgegennehmen wird, bleibt abzuwarten, aber eines ist klar: Die 98. Oscar-Verleihung ist weit mehr als nur ein Fest der Filmkunst. Sie ist ein seismograph, der die Erdbeben der Gegenwart einfängt und die Frage stellt: Was bedeutet es, in einer Welt, die von Technologie umgestaltet wird, menschlich zu sein?

Die Zahlen lügen nicht: Der Wandel ist Realität. Und Hollywood muss sich der Frage stellen, ob die nächste Generation von Filmemachern aus Fleisch und Blut oder aus Algorithmen bestehen wird.