Ki-hunger: openai & perplexity fressen sich selbst auf
Die digitale Revolution frisst ihre Kinder. Die Künstliche Intelligenz, die auf dem Erfolg von Webseiten und Medien basiert, stellt plötzlich diese Grundlagen in Frage – mit verheerenden Folgen. Die Britische Nationalencyclopädie hat die Ampel gestellt und klagt nun gegen OpenAI und Perplexity wegen massiver Urheberrechtsverletzungen.

Britannica verklagt ki-giganten: das ende der wissensquellen?
Es ist eine bittere Ironie: Die Encyclopedia Britannica, seit 1768 eine feste Größe in britischen Haushalten, wird von den Algorithmen der neuen Zeit systematisch ausgeblutet. Über 100.000 Artikel wurden ohne Erlaubnis genutzt, um Trainingsdaten für ki-Modelle zu generieren. Die Folge: Die ursprünglichen Quellen verlieren Traffic, Einnahmen – und ihre Reputation.
Die Klage der Britannica ist nicht die erste. Auch andere Medien wie The New York Times und The Intercept sind bereits in Rechtsstreitigkeiten mit OpenAI verwickelt. Anthropic zahlte kürzlich 1,5 Milliarden Dollar an Verlage für das illegale Nutzen von sieben Millionen Büchern. Meta wurde für den großflächigen, illegalen Download von Büchern und Filmen über BitTorrent zur Rechenschaft gezogen.
Der Kern des Problems: Die generative ki lebt von den Inhalten des Internets. Doch sie entzieht den Urhebern die Grundlage ihrer Existenz. Chatbots wie ChatGPT liefern Antworten, die oft wortwörtlich aus den ursprünglichen Texten kopiert wurden. Und wenn die ki Fehler macht, wird die Britannica als Schuldiger dargestellt. Ein klassischer Fall von „halluzinierendem“ Algorithmus, der die Verantwortung abwälzt.
Die Britannica fordert nicht nur Schadensersatz, sondern auch die Unterlassung der Nutzung ihrer Inhalte. Eine ähnliche Klage ist gegen Perplexity eingereicht worden. Die Unternehmen haben bisher kaum reagiert. Doch die Entwicklung ist eindeutig: Die ki-Industrie muss sich mit den Konsequenzen ihres Handelns auseinandersetzen. Sonst droht ein Teufelskreis, der die gesamte digitale Wissenslandschaft zerstört.
Die Wikipedia ändert ihre Richtlinien, eine Reaktion auf die ki-Übernahme. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Massenpiraterie der KI stellt eine existenzielle Bedrohung für unabhängige Medien und Wissensportale dar. Die Frage ist nicht mehr, ob es zu einem Umdenken kommt, sondern wie viel Schaden noch angerichtet wird – und wer dafür bezahlen muss.
Die Zahlen sprechen für sich: Schätzungen zufolge werden jährlich Milliarden von Webseiten-Besuchen von KI-gesteuerten Suchmaschinen und Chatbots abgeleitet. Diese Besucher fließen nicht mehr zu den ursprünglichen Inhaltsanbietern. Eine massive Verlagerung, die die wirtschaftliche Grundlage vieler Unternehmen untergräbt.
Die KI-Entwickler argumentieren oft mit dem Prinzip des „Fair Use“. Doch die Britannica und andere Kläger sehen darin eine Rechtfertigung für großflächige Urheberrechtsverletzungen. Es geht nicht um einzelne Zitate, sondern um die systematische Aneignung ganzer Werke. Ein Unterschied, der gravierende Folgen hat.
Die Rechtsstreitigkeiten sind noch nicht abgeschlossen. Doch eines ist klar: Die KI-Revolution hat eine dunkle Seite. Eine Seite, die die Grundlagen der Wissensproduktion und -verteilung gefährdet. Die Frage ist nicht mehr, ob die KI die Welt verändern wird, sondern ob sie dabei die Quelle des eigenen Wachstums auslöscht.
Die digitale Wissenslandschaft steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Eine Entwicklung, die uns alle betrifft – und deren Konsequenzen noch lange nicht absehbar sind.