Goldabsturz: nahostkonflikt treibt investoren in die flucht
Der Goldpreis erlebte diese Woche den größten Rückgang seit 2020. Der Konflikt im Nahen Osten, getrieben durch steigende Rohstoffpreise und eine schwächere Inflationserwartung, beförderte den Dollar und ließ die Hoffnung auf Zinssenkungen schwinden. Der Preis für Unzen Gold notierte am Ende der Woche bei rund 4.685 Dollar – ein Minus von etwa 7 %.

Volatilität dominiert: experten raten zur vorsicht
Die Entwicklung ist eine direkte Folge der Eskalation im Nahen Osten. Der Konflikt hat die Angst vor einer weiteren Energiekrise verstärkt, was die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen schmälert. Vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheit und der steigenden Inflationssorgen hatten Investoren das Edelmetall im vergangenen Jahr noch gefeiert. Bis Ende Januar hatte Gold einen Höchststand knapp unter 5.600 Dollar erreicht.
Der Rückgang begann bereits nach dem Angriff der USA und Israel auf Iran. In den letzten Wochen verkauften Anleger Goldbarren, um Verluste in anderen Märkten auszugleichen. Auch Gold-ETFs verzeichnen seit drei Wochen Kapitalabflüsse – über 60 Tonnen sind in diesem Zeitraum aus den Fonds abgewandert.
„Kaufen Sie nicht in den Rückgängen“, mahnt Robert Gottlieb, ein ehemaliger Edelmetallhändler bei JPMorgan Chase. „Solange die Volatilität nicht abnimmt und die Preise sich stabilisieren, könnten die Verkäufe anhalten.“
Auch andere Edelmetalle wie Silber, Palladium und Platin verzeichneten deutliche Verluste. Der Bloomberg Dollar Spot Index stieg hingegen leicht an. Die relative Stärke des Goldes, ein Maß für die Kursbewegung, liegt aktuell bei rund 35 – ein Niveau, das einige Händler als überkauft einstufen.
Die Situation ist von großer Unsicherheit geprägt. Die nächsten Schritte Irans und die Reaktion der internationalen Gemeinschaft sind entscheidend. Auch die Haltung der US-Notenbank Fed spielt eine wichtige Rolle.
Jerome Powell, der Chef der Fed, signalisierte eine weiterhin vorsichtige Geldpolitik.
Der chinesische Fonds Zhishui Investment Management Co. sieht jedoch auch eine Chance: „Nach der Überverkauftheit könnten Edelmetalle kurzfristig wieder anziehen, wenn die Ölversorgung nicht weiter gefährdet ist. Wir empfehlen daher, mit Short-Positionen zu spekulieren.“
Grant Sporre von Bloomberg Intelligence ergänzt: „Die temporäre Preisrückgänge könnten zudem die Käufe der Zentralbanken wieder anregen.“
Die Entwicklung verdeutlicht, dass die geopolitischen Risiken und die Geldpolitik der Zentralbanken weiterhin die Märkte prägen. Die aktuelle Situation ist ein deutliches Zeichen dafür, dass auch vermeintlich sichere Häfen wie Gold nicht vor den Auswirkungen globaler Krisen gefeit sind. Die Frage ist nicht, ob der Preis weiter fallen wird, sondern wie lange es dauern wird, bis die Unsicherheit abklingt – ein Zeitpunkt, der im Moment schwer vorherzusagen ist.