Fed-chef powell warnt vor unsicherheit – ölpreise befeuern zerrüttung
Jerome Powell, Chef der US-Notenbank, hat nach einer Sitzung der Federal Reserve ein ungewöhnlich vorsichtiges Signal ausgesendet: Offene Unsicherheit. Die anhaltende Militäraktion im Persischen Golf verschärft die Situation, während die Ölpreise auf ein Niveau gestiegen sind, das seit 2022 nicht mehr erreicht wurde. Die Fed hält die Leitzinsen stabil bei 3,5 % bis 3,75 %, doch eine klare Richtung für zukünftige Entscheidungen lässt Powell vermissen.

Powell sieht wirtschaftliche prognosen als fragwürdig an
Die US-Wirtschaft zeigt zwar weiterhin Widerstandsfähigkeit, doch der Krieg im Nahen Osten könnte dies grundlegend verändern. „Niemand weiß, was als nächstes kommt“, betonte Powell in seiner anschließenden Pressekonferenz. Die wirtschaftlichen Folgen könnten sowohl geringer als auch deutlich größer ausfallen. Die Fed selbst räumte die Grenzen ihrer Prognosen offen ein. Das sogenannte „Summary of Economic Projections“ (SEP) sei in seiner jetzigen Form kaum noch relevant.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Energiepreisentwicklung. Der Ölpreisschock aus dem Mittleren Osten wirke sich bereits auf die Erwartungen aus. „Der Ölpreisschock spiegelt sich hier wider“, räumte Powell ein. Doch er betonte, dass dies nicht der einzige Faktor sei. Die Inflation bei den Gütern, die Verbraucher direkt kaufen, gebe nicht nach wie erwartet. Die Fed beobachtet mit Sorge, dass die Inflation nicht die erwartete Richtung einschlägt.
Innerhalb des Federal Reserve Komitees gibt es zunehmend unterschiedliche Meinungen über die zukünftige Geldpolitik. Powell wies auf eine wachsende Spanne in den Einschätzungen der einzelnen Mitglieder hin. Einige befürworten weniger Zinssenkungen als zuvor erwartet. Die Wahrscheinlichkeit für mehrere Zinssenkungen im kommenden Jahr ist deutlich gesunken.
Die Fed plant zwar weiterhin, die Inflation zu senken, aber das Tempo wird voraussichtlich langsamer sein als bisher angenommen. Die steigenden Energiepreise stellen dabei ein erhebliches Risiko dar, da sie die Konsumausgaben belasten könnten. Die Prognose für das Wirtschaftswachstum wurde ebenfalls nach unten korrigiert. Die Fed scheint sich in einem schwierigen Balanceakt zu befinden – zwischen dem Kampf gegen die Inflation und der Vermeidung einer Rezession. Die nächste Entscheidung der Fed im Juli wird daher mit großer Spannung erwartet.